Landschaftspflege und die Tiergesundheit
Offene Alm- und Weideflächen prägen die Kulturlandschaft des Alpenraums. Doch viele dieser wertvollen Lebensräume wachsen zunehmend zu: Sträucher und Gehölze breiten sich aus, verdrängen Futterpflanzen und gefährden die Artenvielfalt.
Genau hier setzt das Interreg Italien-Österreich Projekt WeideWert an. Auf der Hofalm in Südtirol werden Schafe und Ziegen gezielt eingesetzt, um verbuschte Flächen offenzuhalten. Durch das kontrollierte Beweiden von Bereichen mit Almrose, Schwarzbeere oder Besenheide sollen die Tiere dazu beitragen, die offene Landschaft zu erhalten und gleichzeitig die Biodiversität zu fördern.
Doch können Tiere Landschaft pflegen, ohne dass ihre eigene Gesundheit darunter leidet? Diese Frage ist einer der Forschungsschwerpunkte des Projekts. Denn Sträucher und verholzte Pflanzen liefern deutlich weniger Nährstoffe als frische Almgräser und Kräuter. Ziel ist es daher, eine nachhaltige Balance zwischen Landschaftspflege und Tierwohl zu finden.
Um dies wissenschaftlich zu untersuchen, arbeitet das Interreg IT-AT Projekt WeideWert während der Almsaison 2026 mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Außenstelle Innsbruck, zusammen. Im Rahmen einer Diplomarbeit unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Johannes Lorenz Khol wird erforscht, wie sich die Beweidung verbuschter Flächen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Schafen und Ziegen auswirkt.
Dafür werden die Tiere vor und nach dem Almauftrieb gewogen und gesundheitlichen Untersuchungen unterzogen. Neben der Kontrolle von Körperkondition, Klauengesundheit und Parasitenbefall werden auch Blut- und Kotproben analysiert. Bei 20 Tieren erfolgt ein besonders detailliertes Gesundheitsmonitoring.
Spannend ist auch die Frage, welche Pflanzen die Tiere tatsächlich fressen. Mithilfe moderner DNA-Analysen von Kotproben wollen die Forschenden herausfinden, welche Sträucher und Pflanzenarten auf den beweideten Flächen aufgenommen werden.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zeigen, wie sich Biodiversität, Landschaftspflege und Tiergesundheit erfolgreich miteinander verbinden lassen.
Artikel verfasst von Frau Julia Stauder, Eurac Research.