Schmelzender Permafrost in den Alpen
Ab 2.300 Metern Höhe hält der Permafrost die Alpen wie ein unsichtbarer Kleber zusammen. Das grenzüberschreitende Projekt FROST.INI zeigt die Gefahr seines Rückgangs für Skigebiete und Bergstraßen auf, aber demonstriert auch, wie sich die Alpenregionen wappnen können.
Der Gebirgspermafrost, der in den Alpen ab einer Höhe von 2.300 bis 2.500 Metern verbreitet ist, bildet ein grundlegendes strukturelles Element für die Stabilität von Berghängen und hochalpinen Infrastrukturen. Die Klimaerwärmung beschleunigt jedoch seinen Rückgang. Dies führt zu einer Verdickung der sogenannten Auftauschicht (aktive Schicht), einer größeren Instabilität der Hänge und einer Zunahme von Erdrutschen, Felsstürzen und Bodenverformungen.
Um diese Entwicklungen zu untersuchen, verfolgt das Interreg-Projekt FROST.INI einen integrierten und vergleichenden Ansatz. Untersucht werden repräsentative Pilotstandorte entlang eines breiten Höhen- und Gesteinsgradienten – von Casera Razzo (1.880 m) über die Gletschergebiete des Kitzsteinhorns bis hin zur Region der Hohen Tauern und dem Großglockner (3.798 m). Die Analysen kombinieren geophysikalische Untersuchungen, Klima- und Monitoringdaten sowie geomorphologische Beobachtungen mit sozioökonomischen Bewertungen. Letztere berücksichtigen Faktoren wie touristischen Druck, Saisonalität, Infrastruktur, Erreichbarkeit und Kontrollsysteme.
Die Ergebnisse des Projekts zeigen drei Hauptstufen der Sensibilität in den Alpen auf:
- Tiefer gelegene Standorte mit sogenanntem Relikt-Permafrost und einer abgeschwächten Dynamik.
- Mittlere bis hohe Lagen mit tauendem, aktivem Permafrost und direkten Auswirkungen auf Skigebiete und Infrastrukturen.
- Hochalpine Umgebungen mit noch weit verbreitetem Permafrost, aber einer zunehmenden Instabilität im Zusammenhang mit dem Gletscherrückgang und dem anhaltenden Erwärmungstrend.
Der direkte Vergleich zwischen abgelegenen Gebieten und großen Skigebieten macht deutlich, dass die Exposition, die Verwundbarkeit und die Anpassungsfähigkeit der einzelnen Regionen stark heterogen sind.
Mit diesen Erkenntnissen liefert FROST.INI eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für differenzierte Risikomanagement-Strategien. Das übergeordnete Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) der Alpenregionen im Kontext eines sich beschleunigenden Klimawandels zu stärken. Erreicht werden soll dies durch ein zielgerichtetes Monitoring, eine anpassungsfähige Raumplanung und die entsprechende Anpassung der Infrastrukturen.